Oberon Klaviertrio

Termin

Samstag, 12. Januar 2019 – 17 Uhr


Jonathan Aner, Klavier
Hanja Semmler, Violine
Anoaneta Emanuilova, Violoncello

Programm

Einführung 16 Uhr im Foyer

„An die ferne Gönnerin“

Claude Debussy
Klaviertrio G-Dur

  • Andantino con moto allegro
  • Scherzo – Intermezzo: Moderato con allegro Andante espressivo
  • Appasionato

Peter Tschaikowsky
Trio a-moll op.50

  • Pezzo elegiaco
  • Tema con Variationi

Programmnotizen:
Wenn diese eine Frau nicht gewesen wäre, dann wäre die Musikwelt, und insbesondere die des Klaviertrios, um vieles ärmer. Es war im Jahr 1877, dass die Baronin Nadeschda von Meck ihre Leidenschaft für die Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski entdeckte und beschloss, ihm ein Vermögen zu vermachen, das ihm absolute finanzielle Freiheit gewähren würde. Die Verbindung zwischen den beiden bestand über mehr als ein Jahrzehnt und vertiefte sich mit jedem der 691 Briefe, die sie sich schrieben. Jedoch stellte die Baronin eine Bedingung: Sie und Tschaikowski sollten sich niemals begegnen!
Auf ihre Anregung komponierte er sein monumentales Klaviertrio, wahrscheinlich das umfangreichste Werk der gesamten Klaviertrio-Literatur.
Von Meck hatte ihre Liebe zur Klaviertriobesetzung schon früher entdeckt, als sie in einem Sommerurlaub in Florenz drei Musiker zur allabendlichen Unterhaltung bei sich aufnahm. Unter den dreien war ein achtzehnjähriger Franzose, Claude Debussy. Zu einer dieser Gelegenheiten komponierte er sein Klaviertrio, ein Werk von jugendlichem Schwung, zweifellos beeinflusst von Tschaikowski, Saint-Saëns und Schumann. Nadeschda Filaretowna von Meck ist es, der die Welt ein Glanzstück eines großen Meisters auf dem Zenit seiner Laufbahn verdankt und ebenso die ersten Auftragswerke eines aufstrebenden Künstlers, der bald seinen Platz im Kreise des Pantheons der großen Komponisten einnehmen sollte.

Die Künstler

Das Oberon Trio
gründete sich im Jahr 2006. Schon nach dem ersten Konzert bescheinigte das Flensburger Tageblatt dem Oberon Trio „eine enorme interpretatorische Leistung, die von berückender Reife und stilistischer Souveränität dieses neuen Ensembles zeugte“. Inzwischen konzertierte das Trio z.B. in der Berliner Philharmonie, dem Wiener Konzerthaus, der Hamburger Laeiszhalle, im Konzerthaus Dortmund, im Schloss Esterházy sowie in Italien, Bulgarien, Israel, Indien, Ägypten und der Ukraine.
Die drei Musiker haben es sich zur Aufgabe gemacht, neben den etablierten Meisterwerken auch unbekanntere Literatur zur Aufführung zu bringen. Ihr Repertoire erstreckt sich von den Wegbereitern des Klaviertrios, CPE Bach und Joseph Haydn, bis zu Komponisten wie Jörg Widmann und Charlotte Bray, deren Trios das Ensemble ersteingespielt hat. Immer wieder arbeitet das Trio außerdem mit Kammermusikpartnern wie Tabea Zimmermann, Ian Bostridge, Christoph Prégardien und Shirley Brill zusammen.
Ein besonderes Anliegen des Oberon Trios ist es, mehr Nähe zwischen Publikum und Künstlern zu schaffen. Die Musiker gewähren den Zuhörern u.a. durch die Moderation von Konzerten und das Verfassen eigener Werkbeschreibungen Einblicke in den Prozess und den Hintergrund ihrer Interpretationen.
Das erste Album des Oberon Trios, „Passacaglia“, wurde von hr2, mdr figaro und NDR Kultur als CD-Tipp empfohlen. 2016 erschien unter dem Titel „Oberon celebrates Shakespeare“ die zweite CD. Die Zeitschrift „Das Orchester“ schrieb darüber: Hier präsentiert sich ein Ensemble, das jede Aufmerksamkeit verdient hat: [Die drei Musiker] zeichnet gleichermaßen bestechende spieltechnische Virtuosität, musikantischer Elan und perfektes kammermusikalisches Einvernehmen aus.
www.oberontrio.de

Henja Semmler, Violine
Die Berliner Geigerin Henja Semmler erhielt ihre Ausbildung u.a. bei Rainer Kussmaul, Thomas Brandis und Gerhard Schulz. Dabei wurde sie von der Studienstiftung, vom DAAD und vom Deutschen Musikinstrumentenfonds unterstützt. Später absolvierte sie auch im Fach Barockvioline ein Konzertexamen; zudem widmet sie sich intensiv der zeitgenössischen Musik. Ausgezeichnet beispielsweise beim L.-Spohr-Wettbewerb, beim Deutschen Musikwettbewerb, beim Wettbewerb der deutschen Musikhochschulen und mit dem Premio Franco Gulli, gastierte sie u.a. in Europa, den USA und Japan. Als Mitglied verschiedener Kammermusikformationen, solistisch oder mit Partnern wie Kolja Blacher, Tabea Zimmermann, Jens-Peter Maintz, Natalia Gutman und Jörg Widmann war sie z.B. bei den Berliner Festwochen, beim Rheingau Musikfestival, Lucerne Festival, Heidelberger Frühling und Schleswig-Holstein Musikfestival zu hören. 17-jährig debütierte sie im großen Saal der Philharmonie Berlin; sie trat als Solistin u.a. mit der Staatskapelle Weimar, dem World Youth Orchestra und dem Davos Festival Orchestra auf. Als Gründungsmitglied des Mahler Chamber Orchestra und des Lucerne Festival Orchestra spielte sie regelmäßig unter Dirigenten wie Claudio Abbado, Daniel Harding, Andris Nelsons und Pierre Boulez. Bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, beim Münchner Kammerorchester, Scottish Chamber Orchestra und beim Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks ist sie als Gastkonzertmeisterin gefragt; auch vom Mahler Chamber Orchestra wird sie öfters als Konzertmeisterin engagiert. Henja Semmler gab Meisterkurse in Deutschland, Italien und Spanien. Derzeit unterrichtet sie ihre Violinklasse an der Hochschule für Musik und Theater Rostock; 2018 wird sie eine Violinprofessur an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien antreten.

Antoaneta Emanuilova, Violoncello
Antoaneta Emanuilova wurde in Bulgarien geboren und siedelte im Alter von sieben Jahren nach Deutschland über. Ihr Studium absolvierte sie bei Wolfgang Boettcher und Jens Peter Maintz in Berlin sowie bei Joel Krosnick an der Juilliard School in New York. Gleichzeitig war sie Stipendiatin der Villa Musica, der ZEIT Stiftung in der Deutschen Stiftung Musikleben und der Landessammlung Baden-Württemberg. Antoaneta Emanuilova spielt regelmäßig internationale Konzerte als Solistin und wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit einem 1. Preis beim Domenico-Gabrielli-Wettbewerb in Berlin und dem Grand Prix des internationalen Wettbewerbs „Musik und Erde“.
Ihre intensive kammermusikalische Tätigkeit führte sie zur Zusammenarbeit mit Musikern wie Thomas Brandis, Jörg Widmann, Nils Mönkemeyer, Anna Prohaska, Amihai Grosz, Lauma Skride, Pauline Sachse, Martin Spangenberg, Ilan Gronich und dem Kuss-Quartett. 2007 trat Antoaneta Emanuilova ihre erste Stelle als stellvertretende Solocellistin im Gürzenich-Orchester Köln an. Seitdem wird sie regelmäßig von führenden Orchestern als 1. Solocellistin eingeladen, zum Beispiel vom Concertgebouworkest, den Bamberger Symphonikern, dem SWR Stuttgart, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Scottish Chamber Orchestra oder dem Balthasar-Neumann-Ensemble. Von 2012 bis 2016 war sie Mitglied des Mahler Chamber Orchestra. Außerdem spielt sie regelmäßig als Solocellistin im Budapest Festival Orchestra unter Ivan Fischer und war ständiger Gast von Claudio Abbado im Lucerne Festival Orchestra. Antoaneta Emanuilova unterrichtet seit 2014 an der Hochschule für Musik und Theater Rostock eine eigene Cello-Klasse, seit Herbst 2016 im Rahmen einer Vertretungsprofessur.

Jonathan Aner, Klavier
Der israelische Pianist Jonathan Aner trat mit führenden Orchestern Israels auf, u.a. mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta. Er gewann Preise bei zahlreichen internationalen Klavier- und Kammermusikwettbewerben, u.a. in Melbourne, Florenz, Senigallia, Dortmund, Berlin, Weimar und beim Europäischen Kammermusikwettbewerb in Frankreich. Desweiteren bildet der „Kammermusiker par excellence“ (Frankfurter Rundschau) mit der Klarinettistin Shirley Brill das Duo Brillaner. Er musizierte ferner mit der Bratschistin Tabea Zimmermann, den Geigern Antje Weithaas und Daishin Kashimoto, mit dem Jerusalem Quartet und dem Quatuor Terpsycordes zusammen und konzertierte beispielsweise in der Berliner Philharmonie, im Auditorium du Louvre in Paris, im Kennedy Center in Washington, beim Bergen International Festival, Schleswig- Holstein-Musikfestival, Festival Radio France, Rheingau Musikfestival, Bachfest Leipzig und bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. Seine Ausbildung erhielt Jonathan Aner u.a. bei Arie Vardi und Konrad Elser. Darüberhinaus studierte er Hammerklavier bei Zvi Meniker. Weitere Impulse erhielt er von Murray Perahia und András Schiff. Einladungen als Dozent führten ihn in die USA, nach Europa, Asien und Australien. Von 2010 bis 2017 bekleidete Jonathan Aner eine Professur für Klavierkammermusik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Seit 2017 hat er eine Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main inne.